Propolis

Der Begriff Propolis stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "vor der Stadt" (von pro = vor und polis = Stadt), vielfach wird er sinngemäss auch als "Verteidigung der Stadt" übersetzt.

Wegen seiner Form und seines Aussehens wird Propolis auch als Bienenkittharz, Bienenharz, Bienenleim oder Kittharz bezeichnet.

Für die Herstellung des Kittharzes, der zum Abdichten von kleinen öffnungen, Spalten und Ritzen genauso verwendet wird wie zum Schutz der Waben und als eine Art Einflugteppich am Eingang des Stockes, gibt es spezialisierte Bienen.

Diese sammeln über Tag - vorwiegend im Frühjahr und Frühsommer - Harze aus Knospen und Zweigen der jeweils heimischen Bäume.

So dienen hierzulande Pappeln, Weiden, Birken, Erlen, Kastanien, Kiefern und Fichten zur Gewinnung der Grundbestandteile von Propolis.

Vor allem Pappeln werden dabei von den Bienen angesteuert, da sie sehr reich an Harz sind. Diese Pflanzenharze schützen die Knospen und Blätter vor Pilz- und Bakterienbefall.

Von den Propolisbienen werden sie gesammelt und von den Arbeitsbienen später mit Wachs und eigenen Drüsensäften vermischt. So entsteht ein einzigartiges natürliches Produkt, das im Bienenstock vielfältigen Einsatz findet.

Die Sammelbienen nagen mit ihren Mandibeln genannten Mundwerkzeugen die klebrigen, harzigen Substanzen von Knospen, Blättern und Zweigen verschiedener Bäume ab und bringen diese in den Pollenhöschen an ihren Hinterbeinen in den Stock.

Hier wiederum werden die bis zu 10 mg Harz, die jede Biene pro Flug mitbringen kann, von den Stock- und Sammelbienen von den Beinen abgenommen. Dabei fügen sie diesem Drüsensekrete und Wachs zur leichteren Verarbeitung hinzu.

In einem Bienenstock leben viele tausend Bienen auf engstem Raum und bei fast konstanten 35 °C sowie hoher Luftfeuchtigkeit.

Die Temperatur wird auf dieser optimalen Gradzahl durch ganz simple, aber fest im Erbgut verankerte Mechanismen gehalten.

Wird es zu kalt, rücken die Bienen näher zusammen und heizen den Stock durch die Wärme ihres Stoffwechsels zusätzlich auf. Ist es zu warm, nutzen die Arbeiterinnen ihre körpereigene Klimaanlage. Sie fächeln mit den Flügeln die Wärme so lange hinaus, bis die Temperatur wieder stimmt.

Wird es nämlich zu heiss, sterben die Larven und Eier ab und das Wachs der Waben schmilzt.

Aber auch zu geringe Temperaturen schädigen den Nachwuchs. An dieser Temperaturregelung beteiligen sich übrigens nicht nur die Arbeiterinnen, sondern auch die sonst eher untätigen Drohnen.

Wird doch auch die Entwicklung des Bienenhirns stark von den Temperaturen während der Verpuppung bestimmt, wie Biologen der Universität Würzburg kürzlich herausgefunden haben. Tiere, die bei optimalen Temperaturen grossgezogen werden, dürfen später im Freien nach Honig suchen.

Allerdings bieten die Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit auch einen idealen Nährboden für die Ausbreitung von Krankheiten. Für Pilze, Viren und Bakterien sind die Temperaturen ebenfalls ideal - und so wird Propolis im Bienenstock als Schutz vor den Erregern genauso genutzt wie als Massnahme gegen Feuchtigkeit und Zugluft.

Der Bienenstock ist wie der Bienenstaat an sich ein hochorganisiertes und äusserst kompliziertes Etwas.

In einem Stock befinden sich in den Sommermonaten bis zu 70.000 Individuen - eigentlich eine einzige Familie aus Königin, ihren Töchtern, den Arbeitsbienen, ihren Söhnen, den Drohnen sowie einer jungen Königinnen Generation.

Im Bienenstock befinden sich die Kinderstuben, Vorratskammern, der Bereich der Königin und der der Drohnen sowie der bewachte Eingang. Und das - fast unverändert seit etwa 40 Millionen Jahren - auch dank des Schutzes durch Propolis.

Denn durch das breite Wirkspektrum dieses Schutzharzes herrscht im Inneren des Bienenstocks ein fast keimfreier Bereich. Forscher haben herausgefunden, dass es steriler als im vorbildlichsten Krankenhaus ist.

Sogar im Eingangsbereich machen sich die Honigbienen die desinfizierende Wirkung von Propolis zu Nutze.

Sie krabbeln über eine Art Propolis Teppich ins Innere des Bienenstocks. Eventuell anhaftende Bakterien und Pilzsporen werden so abgestrichen.

Propolis wird zudem dazu genutzt, eventuell eingedrungene grössere Feinde, wie z.B. Mäuse oder Schlangen, einzuhüllen.

Diese werden von den Bienen gestochen und getötet, können aber von den kleinen Hautflüglern nicht aus dem Stock geschafft werden, da sie zu schwer sind.

Um den möglichen Infektionsherd, der bei der Verwesung des Feindes entsteht, auszuschalten, werden solche Tiere dicht mit Propolis umhüllt und dadurch geradezu mumifiziert.

Der Bienenkorb bleibt gesund, weil Bienen ihr eigenes Antibiotikum produzieren - eben Propolis, welches das Wachstum von Bakterien & Co. im Stock verhindert.

Und anders als Antibiotika wirkt Propolis nicht nur gegen Bakterien, sondern auch gegen Viren, Pilze und andere Krankheitserreger.

Abhängig von der Herkunft des Ursprungsharzes kann Propolis unterschiedlich gefärbt sein.

So ist das Kittharz eher grünlich durch Polleneinschlüsse, rötlich, wenn es hauptsächlich von Kastanien gesammelt wird, bräunlich bei Birken als Hauptlieferanten bis dunkelgelb bei Erlen und Pappeln.

Je nach Temperatur variiert auch die Konsistenz - von transparent, lackartig glänzend bis stumpf, glasartig hart über klebrig weich bis hin zu bröckelig.

Der Schmelzpunkt des Harzes liegt bei 60 bis 70 °C. Im Geruch erinnert Propolis an weitere Bienenprodukte, nämlich an Honig und Bienenwachs.

Bislang wurden weltweit etwa 180 verschiedene Substanzen in Propolis identifiziert.

Das Spektrum an Inhaltsstoffen ist abhängig von den Bäumen, die zur Herstellung herangezogen werden.

Allgemein gehören zu den Inhalten Wachse, Harze, Balsame, ätherisches öl sowie Polysaccharide, also Kohlenhydrate in Form von Mehrfachzuckern.

Propolis setzt sich in etwa so zusammen:
* 50 % Harz
* 30 % Wachs
* 10 % ätherische öle
* 5 % Pollen
* 3 % organische Stoffe (z.B. Flavonoide, Phenole)
* 2 % Mineralstoffe

Relevant für die gesundheitliche Wirkung sind vor allem die zu den organischen Stoffen zählenden Flavonoide

(sekundäre Pflanzenstoffe), freie aromatische Säuren (wie z.B. Kaffeesäure) und Phenole, eine Gruppe von alkoholähnlichen Stoffen.

Grundsätzlich hat Propolis entzündungshemmende, antibakterielle, antivirale und fungizide Wirkungen.

Neben den immunmodulierenden Eigenschaften, zu denen die Erhöhung des Infektionsschutzes und der körpereigenen Abwehrkräfte zählen, gehören die antioxidativen und zellschützenden Eigenschaften zu den Schwerpunkten der modernen Forschung zu Propolis.